Donnerstag, 3. Oktober 2013

Die zwei Raben

von Theodor Fontane

Ich ging über´s Heidemoor alleine ,
da hörte ich zwei Raben kreischen und schrein;
Der eine rief dem andern zu :
"Wo machen wir Mittag ,ich und du ?"

"Im Walde drüben liegt unbewacht ,
ein erschlagener Ritter seit heut Nacht,
und niemand sah ihn im Waldesgrund
als sein Lieb, sein Falke und sein Hund.

Sein Hund auf neue Fährte geht ,
sein Falk auf frische Beute späht,
sein Lieb ist mit ihrem Buhlen fort ,
Wir können in Ruhe speisen dort.

Du setzest auf seinen Nacken dich,
seine blauen Augen, die sind für mich,
Eine goldene Locke aus seinem Haar,
Soll wärmen das Nest uns nächstes Jahr.

manch einer wird sprechen :"Ich hatt ihn lieb!
Doch keiner wird wissen ,wo er blieb,
und hingehn über sein bleich Gebein,
wird Wind und Regen und Sonnenschein ."1855


schon vor 150 Jahren war es Einzelnen bewusst ,wie wenig ein Menschenleben zählt ,mitunter....